Hamster-Retten – ein neuer Trend?

In letzter Zeit liest man in vielen Hamstergruppen vermehrt von geretteten Hamstern. Es werden Hamster aus Kleinanzeigen und von Vermehrern gerettet, aus eigentlich ausreichend großen Gehegen, die vielleicht nicht ganz perfekt eingerichtet sind, aber dennoch keinen wirklichen Notfall darstellen. Seit Neustem werden sogar Hamster aus Pflegestellen als “gerettet” und teilweise werden die "geretteten Tiere" sogar in kleineren Gehegen als bisher untergebracht, Hauptsache, das Tier ist erst einmal “da raus”. Es erscheint fast so, als wäre es “chic”, einen Hamster gerettet zu haben.

Ganz sicher möchten wir mit diesem Beitrag niemanden davon abhalten, einem Hamster aus wirklich prekären Haltungsbedingungen zu helfen, wir möchten lediglich etwas zum Nachdenken anregen.

Grundsätzlich ist es natürlich für den einzelnen Hamster nie verkehrt, ihn aus nichttiergerechter Haltung zu holen und ihm ein schönes Leben zu ermöglichen.

Doch so manches Mal drängt sich der Verdacht auf, dass viele Rettungsaktionen übereilig und ohne Nachdenken nur um den „Rettens“ Willen geschehen. Hamster werden “schnell schnell” abgeholt und auf Notfallgehege verteilt, teilweise zwei-/dreimal zwischengeparkt, bevor sie dann ihr endgültiges Heim beziehen dürfen.

Es nutzt dem Tier nicht wirklich viel, wenn es aus einem Übergangsgehege vielleicht gleich wieder in das nächste Notfallgehege weiterziehen muss. Am Ende kann es nicht schnell genug vermittelt werden und muss doch noch an eine “richtige Pflegestelle” weitergegeben werden, weil der Retter an sich weder Platz, noch Zeit oder Geld für das zusätzliche Tier und dessen Vermittlung hat.

Da viele Hamster nur zu horrenden Summen mit (zu kleinem) Käfig abgegeben werden, verfolgen manche die Taktik, Käfig und Tier separat anzufragen, um somit um den Kauf des Käfigs herumzukommen. Hier sollte man beachten, dass man einen bindenden Kaufvertrag eingeht, wenn man dem Verkäufer den Kauf des Käfigs zusichert und zur Einhaltung des Kaufvertrags rein rechtlich gesehen verpflichtet ist.

Nicht ganz unumstritten ist in Tierschutzkreisen außerdem das Freikaufen von Notfellchen, teilweise werden Summen für Tiere bezahlt, die selbst den Kaufpreis im Einzelhandel übersteigen. Somit entsteht im Zweifelsfall ein Markt für Menschen, die mit vermeintlichen Notfellchen Gewinn erzielen wollen.

Für “effektives Hamsterretten” möchten wir euch ein paar Punkte an die Hand geben, über die ihr im Vorhinein nachdenken könnt:

Es kann sein, dass das Tier krank ist, somit beträchtliche Tierarztkosten entstehen können und das Tier erst einmal oder gar dauerhaft nicht vermittelbar ist. Habt ihr also im Zweifel Platz, Zeit und Geld für einen Dauerpflegling, den ihr im schlimmsten Fall nur noch beim Sterben begleiten könnt?

Es kann sein, dass – obwohl vorher andere zugesichert hatten, das Tier zu übernehmen - die Vermittlung nicht sofort klappt und das Tier zu einem Langzeitgast wird.

Wenn man das alles leisten kann, will und sich ausreichend klar darüber ist, was auf einen zukommt, dann ist es natürlich immer gern gesehen, wenn ein Notfellchen eine Pflegestelle findet, die es in ein schönes Zuhause vermittelt.

Wenn man ein Tier aus einer seriösen Pflegestelle übernimmt, tut man ebenso etwas Gutes, da man auf diese Weise Platz für neue Notfalltiere schafft. Pflegestellen leisten gute und wichtige Arbeit und wissen, worauf sie sich einlassen. Es kann also gerade für unerfahrene Halter die bessere Alternative sein, auf eine gute Pflegestelle zuzugehen anstatt selbst ein Tier aus einer Kleinanzeige zu “retten”.

 

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